Wernsbach Mitarbeitende Bildungswerk |
Bibelwoche 2012 Pfarrer
i.R. Friedrich Walther aus Neuendettelsau (St. Nicolai) wird in diesem Jahr die
Bibelwoche halten. Ein Faltblatt wird über die Einzelheiten informieren. Die
Bibelwoche begann mit dem Gottesdienst in Wernsbach mit dem Thema „Taufe –
Wer hat’s erfunden? (Matthäus 28,16-20)“. Pfarrer Peter Plack predigte
eindrücklich von der Taufe als Geschenk Gottes. Dieses wunderbare Ritual
unseres Glaubens ist nicht unsere Erfindung, sondern Gottes Setzung. Es ruht,
wie auch das zweite evangelische Sakrament, auf einem Wort Jesu, und ist mit
einer wunderbaren Zusage versehen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an
der Welt Ende.“ Dass die Taufe uns nicht zu abgehobenen Enthusiasten macht,
verdeutlichte der Prediger aus Oberasbach mit dem Bild einer Frau, die ein
Geschenk mitten durch eine alltägliche Fußgängerzone trägt. Die Taufe soll
unser Leben eben mitten im Lebensalltag bestimmen und uns tragen. Und selbst in
Grenzsituationen ist sie noch ein Fundament, wie wir vom Reformator lernen können:
Luther hat sich am Rande der Verzweiflung und in den größten Anfechtungen
immer wieder seiner Taufe erinnert: „Ich bin getauft. Ich bin getauft!“,
soll er sich Am
ersten Bibelabend in Wernsbach ging es dann um das neue Leben aus der Taufe (Römer
6). Unter dem Thema „Wie neugeboren“ führte uns Peter Plack in die manchmal
fremde Bildersprache des Apostels Paulus ein. Er machte uns deutlich, dass
gerade deshalb die drastischen Bilder des Sterbens und des Todes gebraucht
werden müssen, weil es eben in der Taufe um das neue Leben geht: Mit Christus
sind wir gestorben und mit ihm schon in die Auferstehung hineingenommen. An
diesem Abend kamen viele Fragen über den eigenen Taufspruch auf: - weil manche Teilnehmer nur einen Konfirmationsspruch kannten und nichts von einem Taufspruch wussten -
und seit wann es Paten und die Konfirmation gebe. Das war überhaupt ein Kennzeichen der Bibelwoche: dass es immer auch um die eigene Tauffrömmigkeit ging. Wunderbar wurde so in der Bibelwoche das eigene Glaubensleben mit dem Leben der Bibeltexte verbunden und versprochen. Am
zweiten Bibelabend in Petersdorf setzte textlich ein großer Stimmungswechsel
ein. War am Tag davor von „Mitsterben und Mittod die Rede, ging es nun um die
Glückssträhne der Taufe“, so Plack. Der Text aus dem Titusbrief (3,4-7) erzählt
von der „geistlichen Wellness-Oase der Taufe“. Wir sind durch die Taufe
„nicht nur sauber sondern rein“ so Plack unter Anspielung auf die
Werbesprache. Die wunderbaren Segnungen und Gaben der Taufe münden in das
dankbare und freudige Fest des Glaubens. Am
dritten Tag in Wernsbach ging es dann um die „ehrenwerte Familie“ (1.
Korinther 12). Damit ist nicht die ehrenwerte Familie der Mafiosi nicht nur der
südeuropäischen Welt gemeint. Und schon gar nicht die Rede von der
Familienehre, die angeblich geschändet werden könnte. Es ist die Familie
gemeint, die Gott die Ehre gibt, die Gemeinschaft der Christen, alle Glieder am
Leib Jesu Christi. Das Bild des Apostels Paulus vom Leib Christi und den
Gliedern ist ein geniales Bild, wenn man die Gemeinschaft der Christen verstehen
will. Drei Dinge drückt es besonders gut aus: Zum ersten lebt das Bild von den
Unterschieden, es lebt nicht von der Homogenität,
sondern von der Pluriformität, von der Vielfalt also: Es sind eben nicht
nur Hände am Leib, sondern ganz unterschiedliche Glieder. Zweitens sind die
Glieder mit einander in Verbindung. Wie es im Korintherbrief heißt: „Wenn ein
Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so
freuen sich alle Glieder mit.“ Es geht also um Empathie und Solidarität am
Leib Christi um das Teilen von Freud und Leid. Plack griff hier wieder auf das
Familienbild zurück und gab als Beispiel das Kleinkind, das plötzlich anfängt
zu laufen: „Auf ein Mal verändert sich die ganze Welt der Eltern mit den
ersten Schritten des Kindes mit.“ Und schließlich geht es darum die
Unterschiede anzunehmen, das Fremde auszuhalten und damit Gott die Ehre zu
geben. In der Fragerunde am Ende des Abends ging es dann darum, ob die
Kirchengemeinden auch Kirchenzucht üben sollten. Pfarrer
Plack schloss seine letzte Bibelarbeit mit einem Zitat des größten
Predigtlehrers des letzten Jahrhundert, Rudolf Bohren: „... vom Heiligen Geist
berührt zu werden, ist die Chance einen jeden Gesprächs ...“. Damit
ging eine sehr interessante, gemeinsame Bibelwoche im Jahr der Taufe zu Ende.
Das Gespräch geht weiter, wie unsere ambulante Taufkerze der drei Gemeinden
deutlich macht. Denn an Kantate werden wir „unsere“ Taufkerze wieder entzünden.
Denn die Taufe verbindet über Gemeinde-, Konfessions-, Orts- und Ländergrenzen
hinweg die eine Christenheit der Welt. Pfarrer Dr. Johannes Wachowski Bericht von der Bibelwoche 2010 Im
Anderen das Antlitz Gottes Sehen – Bibelwoche mit Dekan Zeilinger über die
Jakobsgeschichten Einen
spannenden Weg durch die Jakobsgeschichte, eine Geschichte zwischen Betrug und
Segen, zwischen Verrat und Versöhnung, zwischen Menschenwerk und Gottes Geleit
gingen die Besucher der Bibelwoche mit Dekan Günter Zeilinger. Nicht nur die
Wort und Bilder der Erzählungen setzten sich in Bewegung in Richtung der
frommen Gemüter. Die drei Gemeinden Forst, Weihenzell und Wernsbach bewegten
sich aufeinander zu. Gottes Wort bewegt eben, innerlich und äußerlich, Menschen
und Institutionen. Aber der Reihe nach. In den
beiden Auftaktgottesdiensten in Wernsbach und Weihenzell nannte Dekan Zeilinger
drei Ebenen, die in allen Jakobsgeschichten unterschieden und aufeinander
bezogen werden müssen. In jeder Geschichte gibt es eine menschliche Ebene: es
geht um das Zusammenleben von Ich und Du. Auf dieser Ebene können wir die
Familiengeschichten der Jakobsgeschichte in unser eigenes Leben hineinziehen und
zuerst verstehen. Die zweite Ebene ist die Erzählung von Jakob und seiner
Familie. Im Mittelpunkt stehen Akteure, die Beziehungen und Orte der Geschichte.
Und drittens geht es immer auch um Gottes Geschichte mit seinem Volk Israel und
der Welt. Also Menschengeschichte, Jakobsgeschichte und Israel/Weltgeschichte
werden in den Jakobsgeschichten erzählt. Am ersten
Tag wurde das schwierige Thema der Erstlingsgeburt und des Erstlingssegens
thematisiert (1. Mose 25-27). Fragen an einen unverständlichen Gott schlossen
sich an diese Geschichten an: Kann Gott das wirklich so gewollt haben, dass der
Segen mit Betrug erschlichen wird? Und von was für einem Gott wird in den
Geschichten dann erzählt? Mit diesen Fragen zog das Nachdenken über die dunkle
Seite Gottes auf: es ist die Seite wo Gott uns fraglich wird, wo wir Gott nicht
verstehen, wo wir mit Gott hadern und zu ihm klagen. Pfarrer Dr.
Johannes Wachowski informierte zum Erstgeborenenrecht aus einem jüdischen
Kommentar zur Stelle. Dort heißt es: „Der Status des Erstgeborenen entstand
durch die natürliche Geburt, obwohl man dieses Recht in frühbiblischer Zeit
durch eine Missetat verlieren konnte, wie es zum Beispiel bei Ruben der Fall war
(1.Buch Mose 48,13-20), oder verkaufen konnte, wie im Fall Esaus. In der späteren
biblischen Zeit war es jedoch ausdrücklich verboten, den Erstgeborenen um sein
Recht zu bringen (5.Buch Mose 21,15-17). Man ging
zwar davon aus, dass die Naturordnung der Geburt mit göttlicher Zustimmung
geschah, glaubte aber auch, dass Gott nicht zwangsläufig an sie gebunden war.
Er war frei seine Meinung zu ändern und denjenigen zu erwählen, den er in dem
betreffenden Moment der Geschichte brauchte. Darin liegt die Bedeutung in dem häufigen
Motiv, dass der Jüngere dem Älteren vorgezogen wird. Viele der großen Persönlichkeiten
Israels erhielten ihre Berufung, indem Gott sie aus ihrer unterlegenen natürlichen
Position heraushob: Josef, Ephraim, Mose und David - sie alle waren an zweiter
oder an letzter Stelle geboren.“ (PLAUT, Die Tora, Band 1, 243). Am ersten
Abend legte uns Dekan Zeilinger auch die Geschichte von Jakobs Himmelsleiter (1.
Mose 28) aus und wies uns auf die Veränderung im Segensverständnis hin. Vor 40
Jahren ging man noch ganz vorsichtig mit diesem Thema um, so der Dekan. Man
segnete wenig und vorsichtig. Mittlerweile habe der Segen Konjunktur: es gibt
irische Segenssprüche, Segnungsgottesdienste, persönliche Segnungen und auch
in den Familien ist das „Sich-Segen“ wieder ein Thema. Und so lud der Dekan
ein, darüber nachzudenken, was das Segnen und der Segen Gottes für jeden
einzelnen persönlich bedeute. Zum Wort
Leiter (1. Mose 28,12), hebräisch Sulam,
bemerkte Pfarrer Wachowski, dass die jüdische Tradition darauf hinweist, dass
der Zahlenwert des Wortes Sulam der
gleiche wie für das Wort Sinai sei,
130: Jakob hatte also in seinem Traum ein Sinaierlebnis. Am zweiten
Tag in Wernsbach wurde eine Brunnengeschichte erzählt. Jakob lernte seine späteren
Frauen am Brunnen kennen und wird in der Geschichte zum „betrogenen Betrüger“.
Denn er bekommt zuerst die falsche Frau und muss um die richtige sieben Jahre
dienen. Die Geschichte, so Dekan Zeilinger, lehre uns u.a. auch das Bild eines
rechten Herrschers. Ein guter Herrscher weiß zu dienen. Das ist dann auch ein
Anknüpfungspunkt für das Neue Testament. Denn Jesus sagt von sich selbst, dass
er zum Dienst gekommen sei: Er sagt es den Söhnen des Zebbädäus, er zeigt es
in der Fußwaschung und betont es wenn er vom Menschensohn spricht: „Denn auch
der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er
diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ (Markus 10,45) An den
beiden folgenden Tagen in Weihenzell und Wernsbach stand das Thema Versöhnung
im Raum. (1. Mose 30-32). An der Versöhnungsgeschichte von Jakob und Esau können
man lernen, welche Wege man gehen und nicht gehen muss, wenn man sich versöhnt:
der innere Kampf, das Ringen mit Gott (1.Mose 32) und das Gebet (1.Mose 32,10).
Und man sieht, dass das Versöhnen einfacher ist als das Leben mit dem Versöhnten.
Vielleicht ist das auch ein Grund, warum sich Jakob und Esau am Ende der
Geschichte wieder trennen. Die
Jakobsgeschichte wird nicht nur durch Engelsszenerien gerahmt (1.Mose 28,12 und
1. Mose 32,1-4) sie erzählt auch ein Modell der Begegnung: Wichtig ist, dass
wir im anderen Menschen, auch im Fremden oder, um mit Jesus zu sprechen, sogar
im Feind, das Antlitz Gottes zu sehen. Zum
Abschluss der Bibelwoche bekam Frau Zeilinger ein wunderschönes Linsensträußchen
als Dank, dass sie ihren Mann in die drei Gemeinden begleitete, und Dekan
Zeilinger das neue Buch von Hans-Martin Barth über Luther und einen jüdischen
Kommentarband zur Jakobsgeschichte. Schalom! BIBELWOCHE
WERNSBACH - WEIHENZELL Die Jakobsgeschichten gehören zu den schönsten und spannendsten
Geschichten des Alten Testaments - nicht nur für mich.
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